Zalando-Schließung in Erfurt und Auswirkungen in Gießen
Die Linke Gießen solidarisiert sich mit den Beschäftigten des Zalando-Standorts Erfurt. Wir fordern Transparenz zu Fördermitteln und eine ehrliche Bilanz der angeblichen neuen Arbeitsplätze in Gießen.
Zalando-Schließung in Erfurt trifft tausende Beschäftigte
Wir erklären unsere volle Solidarität mit den rund 2.700 Beschäftigten des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt. Durch die angekündigte Schließung bis Ende September 2026 verlieren sie ihre Arbeitsplätze. Diese Entscheidung des Konzerns Zalando ist ein schwerer Schlag für die Region und zeigt erneut, wie rücksichtslos große Unternehmen mit Belegschaften und öffentlichen Geldern umgehen.
Arbeitsplatzverlagerung statt ehrlicher Jobpolitik
Während in Thüringen ein kompletter Standort abgewickelt wird, spricht die SPD in Gießen weiter von einem „wichtigen Faktor für neue Arbeitsplätze“ am Alten Flughafen. Wir halten diese Darstellung für irreführend.
Wenn tausende Stellen wegfallen und andernorts deutlich weniger neue entstehen, handelt es sich nicht um echte Arbeitsplatzschaffung, sondern um eine Verlagerung mit hohen sozialen Kosten.
Millionen an Fördergeldern – aber keine Transparenz
Besonders problematisch ist, dass Zalando in der Vergangenheit umfangreiche öffentliche Fördermittel erhalten hat:
- über 22 Millionen Euro in Thüringen
- mehr als 10 Millionen Euro in Berlin
Auch in Hessen bestehen Fördermöglichkeiten, etwa über die WIBank oder Programme wie den Hessenfonds. Ob und in welchem Umfang Zalando für den Standort Gießen Fördermittel oder Steuervorteile erhält, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Wir fordern vollständige Transparenz.
Soziale Verantwortung endet nicht beim Standortwechsel
In Thüringen wird die Schließung zu Recht als kalte Abwicklung eines Standorts kritisiert, der dem Konzern einst den Aufstieg ermöglichte.
Der Standort profitierte von direkter und indirekter Förderung – bis hin zu speziell eingerichteten Busverbindungen für Beschäftigte aus dem Umland. Dass ausgerechnet dieser Standort geschlossen wird, nachdem Beschäftigte eine Tarifbindung durchsetzen wollten, spricht eine klare Sprache.
Umzug ist kein Arbeitsplatzversprechen
Wenn Zalando nun erklärt, man wolle Beschäftigte beim Umzug unterstützen, stellen wir klar:
Neue Arbeitsplätze sind keine neuen Arbeitsplätze, wenn Menschen gezwungen werden, ihr Bundesland zu verlassen, um weiter für denselben Konzern zu arbeiten.
Entscheidend ist die Frage:
- Wie viele Stellen in Gießen entstehen tatsächlich zusätzlich?
- Und wie viele dienen nur dazu, die Schließung in Erfurt zu kompensieren?
Unsere Forderungen
Wir fordern:
- Transparenz über Fördermittel und Steuervorteile für den Standort Gießen
- eine ehrliche Bilanz über die tatsächliche Zahl neuer Arbeitsplätze
- eine klare Positionierung der Stadt Gießen und der Landesregierung zu den sozialen Folgen der Standortverlagerung
- konkrete Unterstützung für die Beschäftigten in Erfurt statt Schönfärberei lokaler Standortpolitik
Gemeinwohl statt Konzernlogik
Die Schließung in Erfurt zeigt erneut: Wirtschaftliche Entscheidungen großer Konzerne dienen nicht automatisch dem Gemeinwohl.
Wer öffentliche Gelder erhält, muss auch öffentliche Verantwortung übernehmen.
Wir stehen an der Seite der Beschäftigten – in Erfurt wie in Gießen.

