Lollar verliert seine Gießerei – 230 Jobs vor dem Aus
Die Nachricht schlägt in Mittelhessen hohe Wellen: Der Autozulieferer Breyden will den traditionsreichen Standort in Lollar Ende 2025 schließen. Damit verlieren rund 230 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze – viele von ihnen haben Jahrzehnte ihres Lebens in der Gießerei gearbeitet, die bis vor einigen Jahren noch zu Bosch gehörte. Für die Region, die bereits von Werksschließungen bei Conti und im Edelstahlwerk getroffen ist, bedeutet das einen weiteren herben Einschnitt.
„Unter aller Sau“ – Beschäftigte fühlen sich verraten
Bei einer Pressekonferenz des Betriebsrates und der IG Metall wurde deutlich, wie tief die Betroffenheit sitzt. Die Beschäftigten werfen dem Unternehmen gebrochene Versprechen und respektlosen Umgang vor. Statt des angekündigten „Kompetenzzentrums“ für Lollar wurde nun die Schließung beschlossen.
Ein Betriebsrat schilderte die Gefühlslage eindringlich:
„Für erwachsene Männer, die Tränen in den Augen haben, weil sie nach 40 Jahren harter Arbeit vor dem Nichts stehen – das ist ein Schlag ins Gesicht.“
Auch der Ton bei der offiziellen Verkündung sorgte für Empörung. Statt einer respektvollen Ansprache hätten sich die Beschäftigten gefühlt, als sei ihre Lebensleistung nichts wert. Ein IG-Metall-Vertreter sprach von einem Vorgehen, das „unter aller Sau“ sei.
Hintergrund: Von Bosch zu Breyden – ein absehbares Ende?
Die Gießerei in Lollar blickt auf eine über 200-jährige Tradition zurück. Noch bis 2016 war sie Teil von Bosch. Schon damals gab es Warnungen, dass der Verkauf an den heutigen Eigentümer Breyden das „Todesurteil“ für den Standort sein könnte.
Statt Sicherheit und Investitionen gab es über Jahre hinweg Unsicherheit. Versprochene Anlagen wurden nicht gebaut, Konzepte wieder verworfen, Beschäftigte hingehalten. Nun sollen die Türen endgültig schließen – mitten in einer Zeit, in der auch andere mittelständische Industriearbeitsplätze in der Region gefährdet sind.
Solidarität und Unterstützung durch die Linke Gießen
Die Linke Gießen steht fest an der Seite der Beschäftigten und des Betriebsrats. Der Kreisvorsitzende Maurice Jelinski erklärt:
„Die Schließung der Gießerei in Lollar ist ein sozialpolitischer Skandal. Wir erklären unsere volle Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen, die nach Jahrzehnten harter Arbeit vor dem Nichts stehen sollen. Die Linke Gießen wird den Betriebsrat und die IG Metall in ihrem Kampf um faire Verhandlungen und soziale Sicherheit unterstützen.“
Politische Forderung: Industriepolitik statt Arbeitsplatzabbau
Die Schließung ist kein Einzelfall: Mit dem Aus bei Conti in Karben und Stellenstreichungen im Edelstahlwerk verlieren hunderte Menschen in Mittelhessen ihre Existenzgrundlage.
Die Linke fordert daher:
- Öffentliche Verantwortung für Arbeitsplätze: Landes- und Bundesregierung müssen aktiv werden, um Schlüsselindustrien zu sichern.
- Faire Verhandlungen und Sozialpläne: Keine übereilten Schnellschüsse, sondern Lösungen, die Beschäftigte absichern.
- Industriepolitik im Sinne der Menschen statt des Profits: Transformation zu klimaneutraler Produktion darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.
Die Gießerei in Lollar steht beispielhaft für eine verfehlte Industriepolitik, in der Konzerne Gewinne privatisieren und Risiken auf Beschäftigte abwälzen. Für die Betroffenen geht es nicht um Zahlen in einer Bilanz, sondern um Existenzen, Familien und die Zukunft einer ganzen Region.
Die Linke Gießen wird weiter Druck machen – auf Unternehmen wie Bosch und Breyden, aber auch auf die Politik. Denn Mittelhessen braucht eine verlässliche Perspektive für gute Arbeit.

